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Antoine Beuger (Komponist, damals Lehrbeauftragter für Philosophie an der Kunstakademie Düsseldorf) Rede zur Ausstellungseröffnung "Video-Bildkunst" Susanne Fasbender in der Galerie Kunstvilla Kaiserswerth, April 2002: video: ich sehe Schauen Sie sich ein Photo an und schliessen Sie die Augen. Was sehen Sie? Sie sehen den Menschen, den es auf dem Bild zu sehen gab. Sie sehen die Situation, die Sie auf dem Photo gesehen haben. Sie sehen nicht das Photo. Machen Sie das Gleiche mit einem Bild. Es ist ganz anders: Sie sehen das Bild, dessen Format, dessen Farbigkeit, dessen Materialität. Sie haben ein Bild gesehen und sehen es wieder. Sehe ich ein Photoporträt, so sehe ich den porträtierten Menschen, so wie er einmal war, und ich bin mir sicher, daß er es war. Er hat der Kamera dieses Bild von sich gegeben, ob bewußt oder unbewußt, gestellt oder ohne es bemerkt zu haben. Nicht so bei dem gemalten Porträt. Hier hat der Maler das Bild geschaffen, und das sehe ich. Ich sehe die Darstellung eines Menschen, nicht den Menschen selbst. Es mag dem Menschen ähnlich sein, sogar etwas über ihn enthüllen. Es bleibt aber die Schöpfung des Malers, nicht die Gabe des Porträtierten. Es ist im Photo eine Anwesenheit spürbar, während die Malerei von der Abwesenheit lebt: Sie verwandelt, hebt hervor, verallgemeinert, fügt hinzu. Der Maler zeigt, wie er etwas sieht, und das sehe ich. Das Modell sehe ich nicht. Beim Photo hingegen sehe ich genau das. Ich sehe selbst etwas. Das Modell bietet sich mir dar, auch wenn der Photograph es mir, vermittels der Photographie, zu sehen gibt. So sehe ich nicht, wie er etwas gesehen hat, sondern was er, bzw. die Kamera, gesehen hat. Ich spüre die Anwesenheit von etwas, das einmal genauso war, wir ich es jetzt sehe. Genau an diesem Punkt setzt für mich die Arbeit von Susanne Fasbender an: Wir sehen Blicke, Haltungen, Bewegungen, spüren Regungen, Gesten, Ausdrücke, die ihr von meist ihr nahestehemden Menschen oder auch Dingen gegeben wurden. Oft sind es Bewegungsbilder, tanzende Menschen, oder sprechende, agierende. Mit der Videokamera aufgenommen entsteht eine mächtige Anzahl von Momentaufnahmen (Stills), aus denen sie sich einzelne aussucht, die sie besonders berühren. Die oft sehr weitgehende Bearbeitung des ursprünglichen Bildes mit Hilfe digitaler Verfahren tut diesem Erlebnis der Anwesenheit, diesem gleichsam direkten subjektiven Zugang zum Gesehenen überhaupt keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Bearbeitung verhält sich zum ursprünglichen Bild wie die Annahme zur Gabe. Sie zeigt einen höchst sensiblen, ja sorgsamen Umgang mit dem Gegebenen. Mir scheint, daß Susanne Fasbender genau weiß, daß ihr die Bilder geschenkt wurden und welche Verantwortung sich daraus ergibt. Sie antwortet auf das ihr gegebene Bild, indem sie mit ihm umgeht. Es ist aber immer ein Umgehen, das geschehen läßt, ein spürendes Umgehen, ein in sich hineinhorchendes Wahrnehmen; nie ein gestaltendes Eingreifen. Eine Frau wird zum Vogel, aber nicht, indem die Künstlerin einen Vogel aus ihr macht, sondern indem sie, selbst, zum Vogel wird. Und ich sehe, daß diese Frau zum Vogel wird. Ohne sich zu ändern, sondern indem sie ist, wie sie ist. Solche Verwandlungen können ins Vulkanische gehen, ein Mensch kann sich in Licht auflösen, Feuer, Abgrund können spürbar werden, nichts als ein Haarlock kann übrigbleiben. Die Empfindung der ursprünglichen Gabe als Anwesenheit bleibt immer erhalten. Es kommt aber eine neue Empfindung hinzu: Wir spüren, mit welcher Einfühlsamkeit die Künstlerin die Gabe angenommen hat. Jemand hat ein Geschenk erhalten und zeigt es uns: es zugleich schützend und enthüllend. Es ist nicht einfach eine Weitergabe, es ist ein Zeigen ohne weiterzugeben: Wir dürfen schauen, nicht anfassen. So zeigt uns Susanne Fasbender das, was sie geschenkt bekommen hat. Und wir sehen das und spüren gleichzeitig, wie sie es uns zeigt. Das macht die fast kindliche Schönheit ihrer Arbeit aus. Sie berührt mich, und das wollte ich eigentlich sagen.